Predigt: Warum du im Tal am leidenschaftlichsten loben solltest

Ausschnitt aus der Predigt vom 26.10.2025

Der dritte Akt des Glaubens: Vom Ringen zum unerschütterlichen Vertrauen

Das Buch Habakuk ist kein „Fühl-gut“-Buch für jedermann. Es ist die ehrliche Auseinandersetzung eines kleinen Propheten (ca. 600 v. Chr.) mit dem großen Gott, als dieser Taten zulässt, die unbegreiflich sind.

Der Weg durch das Buch ist ein Prozess:

  • Kapitel 1: Ringen und Annehmen der harten Realität.
  • Kapitel 2: Warten in dem Wissen: Du kannst Gottes Timing weder erzwingen noch aufhalten.
  • Kapitel 3: Der Ton ändert sich radikal. Verwirrung weicht Vertrauen.

Der Aufschrei der Seele: Was ist „שִׁגְיֹנֹֽות“?

Kapitel 3 wirkt wie ein Neustart. Es beginnt mit dem „Gebet des Propheten Habakuk, nach der Art von Klageliedern.“ (Habakuk 3,1 BB)

Dieses Klagelied trägt einen besonderen Namen: שִׁגְיֹנֹֽות.

שִׁגְיֹנֹֽות ist ein Musikbegriff, der nur zweimal in der Bibel vorkommt (Habakuk 3 und Psalm 7). Es beschreibt nicht die Stimmung (fröhlich/traurig), sondern die Art des Vortrags: leidenschaftlich, mit extremem Gefühl, mit Ausrufezeichen hinter jedem Satz!

Es ist keine halbherzige Ballade, sondern eine Darbietung, die von Ekstase bis zum Boden zerstört reicht.

Das ist der Schlüssel: Ein Glaube, der Gott lobt, auch wenn man es nicht fühlt. Ein Lobgesang, der gleichzeitig der Schmerz und der Aufschrei des Herzens ist.

1. Erinnere dich: Das Lob für das, was Gott ist

Habakuk beginnt sein Gebet mit einer tiefen Erinnerung:

„Herr, ich habe deine Nachricht gehört, dein Werk, Herr, habe ich gesehen. Mach dein Werk noch in dieser Zeit lebendig, zeig es noch in dieser Zeit! Denk im Zorn auch an Erbarmen!“ (Habakuk 3,2 BB)

Der Prophet bittet Gott nicht nur um ein Wunder, sondern darum, dass Gott wieder so handelt, wie er es in der Vergangenheit getan hat:

  • Du bist der, der Heilung bringt, Wasser des Lebens und vom Tod auferstanden ist.
  • Du bist der Gott, der dein Volk befreit und es in Sicherheit gebracht hat (Teman und Paran, Orte der Befreiung aus ägyptischer Sklaverei).
  • Du bist der, dessen Macht Berge zerschmettert und dessen Glanz die Erde erfüllt.

Wahre Anbetung ist ein Akt der Erinnerung: Wenn du im Tal stehst, erinnere dich an Gottes Gnade. Er hat in der Vergangenheit gewirkt (Brot vom Himmel, Wasser aus dem Felsen, Löwenmäuler geschlossen) – und er wird es wieder tun!

Der leidenschaftlichste Lobpreis ist der Lobpreis für etwas, das noch nicht eingetroffen ist. Wir loben nicht für das was er getan hat, sondern für wer er ist.

2. Entscheide dich: Loben verändert dich

Oft fühlen sich schwere Zeiten wie eine lange Talfahrt an, die wir nur ertragen müssen, bis bessere Zeiten kommen. Doch Habakuk lehrt uns, dass es nicht nur ums Ertragen geht, sondern darum, die Situation anzunehmen und inmitten des Schmerzes zu handeln:

„Als ich es hörte, bebte mein Körper… Ich warte auf den Tag der Bedrängnis… Denn der Feigenbaum treibt nicht mehr aus, an den Weinstöcken ist kein Ertrag… Über den Herrn will ich jubeln und fröhlich sein über den Gott meiner Rettung.“ (Habakuk 3,16–18 BB)

Der Prophet schaut der schwierigen Wahrheit ins Gesicht: Alles ist kaputt. Die Ernte ist verloren. Das Vieh ist weg. Es gibt dutzende Gründe, nicht zu jubeln (Krankheit, Sorgen, zerbrochene Beziehungen…).

Doch er trifft eine Entscheidung: Ich traue trotzdem auf Dich, Herr!

  • Loben ist keine Emotion, es ist eine Entscheidung, die aus Vertrauen kommt.
  • Dieser Akt des tiefen Vertrauens nimmt dem Schmerz die Macht, dich zu bestimmen. Das Lob verändert nicht sofort die Umstände, aber es verändert dich.
  • Deine Nöte zu haben, ist kein Zeichen mangelnden Glaubens. Im Gegenteil: Sie werden zum Hintergrund, vor dem dein Lob am stärksten leuchtet.

3. Der Gipfel des Vertrauens: Kraft auf Bergeshöhen

Habakuk schließt mit dem ultimativen Statement des Glaubens:

„Gott, der Herr, ist meine Kraft. Meine Füße macht er flink wie Hirsche und meine Schritte sicher auf Bergeshöhen.“ (Habakuk 3,19 BB)

Der Prophet steht vor dem kahlen Feigenbaum, dem ertraglosen Weinberg – doch er vertraut darauf, dass der Herr ihn versorgen und ihm Kraft geben wird.

Wir lieben es, Gott auf den Bergeshöhen zu genießen. Aber in den Tälern des Lebens ist es, wo wir lernen, ihm wirklich zu vertrauen.

Du wirst im dritten Kapitel nicht zum Vertrauen gelangen, ohne in Kapitel 1 gerungen und in Kapitel 2 gewartet zu haben. Dein leidenschaftliches Lob  ist das Zeugnis:

  • Ich verstehe nicht, aber ich vertraue.
  • Ich sehe nicht, aber ich glaube.
  • Ich fühle mich am Boden zerstört, aber ich werfe dir gleichzeitig meinen Schmerz und mein Lob vor die Füße.