Familie Soppa in Malawi
Ufulu heißt Freiheit

mit unseren Rundbriefen möchten wir euch regelmäßig einen Einblick geben in das, was wir hier eigentlich so machen, wie es sich als Familie in Malawi lebt und wie es uns damit geht. Gleichzeitig möchten wir euch auch das Land und die Menschen ein wenig näherbringen und versuchen, euch ein Fenster in eine andere Welt zu öffnen.
Am 06. Juli haben wir Malawis Nationalfeiertag gefeiert, den Ufulu Day. An diesem Tag erlangte Malawi im Jahr 1964 seine Unabhängigkeit von der britischen Krone. Unsere Gemeinde feiert traditionell aber nicht nur den Nationalfeiertag, sondern veranstaltet gemeinsam mit vielen anderen Gemeinden ein großes Fest, an dem neben der Freiheit Malawis (Ufulu heißt Freiheit), auch die Freiheit, die wir durch den Glauben an Jesus Christus haben, gefeiert wird.

Christen aus ganz Malawi kommen zusammen, um „Ufulu“ zu feiern: Die Unabhängigkeit Malawis und unsere Freiheit in Jesus Christus.
Semesterende am Baptist College
Im Mai ist das erste Semester des Jahres 2026 zu Ende gegangen – schon mein (Michas) fünftes Semester am Baptist College (das vorherige Semester zähle ich nicht mit, weil ich es ja krankheitsbedingt verpasst habe). Wie die Zeit vergeht! Die Vorlesungen, die ich im vergangenen Semester gehalten haben, setzten sich zum einen mit der Person Jesus Christus und der Lehre von seiner Erlösung für uns Menschen auseinander („Christologie und Soteriologie“), sowie mit dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes. Letzteres gehörte bisher, ehrlich gesagt, nicht zu meinen Fachgebieten. Aber ich wurde gebeten, diesen Kurs zu unterrichten und habe mich der Herausforderung gerne gestellt. Es hat mir wieder viel Freude gemacht, die Studierenden zu unterrichten, ihre Fragen zu beantworten, mit ihnen zu diskutieren und dabei auch selbst immer wieder zu lernen. Ich hatte – wie in jedem Semester – wieder das Gefühl, immer mehr herauszufinden, wie ich die Studierenden hier am besten erreichen kann. Neben der Vermittlung von Unterrichtsstoff gehört dazu vor allem immer wieder kulturelles Lernen meinerseits. Wissensvermittlung geschieht hier am besten im Dialog. Ich muss also immer wieder ein ausgewogenes Verhältnis finden zwischen dem Vortrag meines Unterrichtsstoffes und der Festigung des Stoffes in Austausch und Diskussion. Die Herausforderung dabei ist zum einen, tatsächlich die nötige Menge an Unterrichtsstoff zu vermitteln und zum anderen, in den Gesprächen nicht zu sehr vom eigentlichen Thema abzuschweifen. Mich hat besonders gefreut, dass die schriftlichen Arbeiten zum Semesterende insgesamt deutlich besser ausgefallen sind, als in den vorherigen Semestern, in denen ich bereits die gleiche Vorlesung gehalten hatte. Das scheint mein Gefühl zu bestätigen, dass es mir besser gelungen ist, den Stoff zu vermitteln. Eine große Diskrepanz in den Ergebnissen gibt es aber zwischen den Studierenden, die vor Ort in meinen Vorlesungen sitzen und denen, die im Fernstudium online studieren. Für das Fernstudium zeichne ich alle meiner Vorlesungen mit einer Videokamera auf und lade die Videos bei YouTube hoch. Anhand der Aufrufzahlen lässt sich aber erkennen, dass es einige Studierende gibt, die der Auffassung sind, dass sie die Klausur auch bestehen können, ohne sich die Vorlesungen angeschaut zu haben. Das hat sich in den Ergebnissen einiger Studierender deutlich niedergeschlagen. Von dem Prozess der Anerkennung des Baptist College als Universität gibt es noch nichts Neues zu berichten. Im letzten Jahr wurde unsere Akkreditierung des Bachelorprogramms bestätigt und ein PhD-Programm (Philosophiae Doctor, ähnlich einem Promotionsprogramm in Deutschland) wurde neu akkreditiert. Wir hatten gehofft, dass auch der Masterstudiengang anerkannt werden würde, aber einige formale Voraussetzungen entsprachen noch nicht den Vorstellungen der Hochschulbehörde. Seit unserem letzten Rundbrief habe ich auch wieder in unterschiedlichen Gemeinden hier in Lilongwe gepredigt und bin online auch in einer Gemeinde in Deutschland zu Gast gewesen. Das ist eine gute Möglichkeit, während unserer Zeit hier den Kontakt zu Gemeinden zu halten. Wenn ihr als Gemeinde auch Interesse habt, dass ich z.B. online für eine Predigt zugeschaltet werde, könnt ihr gerne Kontakt zu mir aufnehmen.

Michas Eltern mit Michas Kollegen Owen Mkandawire, der auch schon an der Theologischen Hochschule in Elstal unterrichtet hat.
Gastfreundschaft in der Kauma Baptist Church…
… zeichnet sich dadurch aus, dass wir als Gäste besonders willkommen geheißen werden. Kauma ist ein ärmerer Stadtteil von Lilongwe und ein Kollege von Micha ist dort Pastor der Baptistengemeinde. Hier werden wir, wenn wir den Gottesdienst besuchen, vorne in der ersten Reihe platziert und bekommen eine Plastikflasche Wasser hingestellt (dazu wird extra jemand während des Gottesdienstes zum Einkaufen losgeschickt). Außerdem werden wir jedes Mal gesondert vorne vorgestellt und begrüßt. Was ebenfalls dazu gehört, ist im Anschluss an den Gottesdienst jedem der etwa 300 Kirchenbesucher vom Kleinkind bis Erwachsenen die Hand zu schütteln. Das bedeutet: Wir stehen gemeinsam mit dem Pastor als erste am Ausgang und alle gehen auf dem Weg nach draußen an uns vorbei (Mädchen und Frauen knicksen dabei). Etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr herzlich. Als Michas Eltern mit dabei waren, wurde zudem noch spontan ein Mittagessen organisiert, nur für uns als Gäste.




Besuch mit Michas Eltern in der Kauma Baptist Church
Kulturelle Unterschiede im Alltag
Auch ein weiteres Schuljahr hier in Malawi ging im Juni zu Ende. Uns ist hier nochmal bewusster geworden, wie wichtig das soziale Miteinander in der malawischen Kultur ist, im Besonderen unter den Müttern. Die Rollen von Männern und Frauen sind hier viel strikter getrennt und Väter teilweise explizit nicht erwünscht (Micha wurde z.B. einmal durch die Blume gebeten, eine WhatsApp-Gruppe zu verlassen. Wir hatten gedacht, es handele sich um eine Elterngruppe, die malawischen Frauen haben sie allerdings als ausschließliche Müttergruppe verstanden). Wer kann, sitzt am Nachmittag mit beim Sporttraining der Kinder und schaut zu. Dabei wird ununterbrochen geredet. Meistens reden alle durcheinander, in einem Mix aus Chichewa und Englisch. Es ist schwierig zu folgen, aber hier werden Verabredungen getroffen und Dinge ausgetauscht. Und es wird sehr genau registriert, ob jemand daran teilnimmt oder nicht.
Noch ein Erlebnis aus unserem Alltag, welches eher in die Anfänge unserer Zeit hier fällt, an dem die kulturellen Unterschiede zwischen Männern und Frauen für uns stark sichtbar wurden:Eine Freundin von Annemie war bei uns zu Besuch. Margrit war noch unterwegs und kam erst später dazu. In der Zwischenzeit musste sich das Besucherkind übergeben. Micha erzählte der Mama beim Abholen nichtsahnend, dass dies kein Problem gewesen sei, er alles sauber gemacht hätte und der Tochter etwas frische Kleidung zum Anziehen gegeben hätte. Die Mama fiel daraufhin aus allen Wolken. Es war eine sehr unangenehme Situation für sie. Uns war zu diesem Zeitpunkt nicht in voller Gänze bewusst, dass es eher ein „No-Go“ hier ist, dass ein Mann solche Tätigkeiten übernimmt und noch dazu die Kinder beaufsichtigt. Hier gehen unsere Welten stark auseinander. Kulturelles Lernen findet auf beiden Seiten statt. Wir haben der Mama versucht zu erklären, wie anders wir in diesem Bezug geprägt sind. Annemies Freundin kam auch nochmal wieder, allerdings nur noch in Begleitung ihrer Nanny :). Und wir versuchen seitdem, sensibler zu sein.
Mobilitätsprobleme
Leider haben wir fast seit Beginn unserer Zeit in Malawi immer wieder Autoprobleme. Zuletzt hatten wir einen Getriebeschaden an unserem Dienstwagen, weshalb er für vier Monate in der Werkstatt war (das Hauptproblem war die Beschaffung von Ersatzteilen). Um in dieser Zeit trotzdem mobil sein zu können (ohne Auto geht hier überhaupt nichts), haben wir uns privat ein Auto angeschafft. Was sich zunächst wie ein reiner Segen anfühlte, weil der Verkäufer uns einen guten Preis gemacht hatte, entpuppte sich leider auch zum Problem, als wir an einem Wochenendausflug mit einem Motorschaden in Sambia liegen geblieben waren. Neben all den Sorgen, Unsicherheiten und Problemen, die solche Situationen immer mit sich bringen (wie z.B. spontan eine sechsköpfige Familie inkl. Reisegepäck aus Sambia nach Hause zu bekommen und sich gleichzeitig um den Rücktransport eines kaputten Autos zu kümmern), erleben wir gerade in solchen Situationen auch die beeindruckende Freundlichkeit der Menschen hier: von Polizisten, Grenzbeamten oder auch einem Passanten auf dem Rückweg von der Kirche. Sogar, als wir schon wieder an Malawi waren, meldete sich noch ein Mechaniker bei uns, den wir selber zwar nicht kontaktiert hatten, der aber von unserem Problem erfahren hatte und seine Hilfe anbot. Und auch, wenn das Autoproblem während des Schreibens dieses Briefes nicht abschließend behoben ist, sind wir dankbar, dass alles irgendwie doch immer wieder klappt und wir heil nach Hause gekommen sind (natürlich nicht ohne nächtliche Reifenpanne des Taxis, das uns abgeholt hat) und wir am nächsten Tag froh und dankbar Ostern feiern konnten.
Im Nachhinein stellten wir fest: ausgerechnet an dem Wochenende, an dem wir uns besonders an Gottes Rettung erinnern und seine Liebe, die alle denkbaren Grenzen überwindet, haben wir erlebt, dass es immer wieder Wege gibt, die uns ans Ziel führen. Auch, wenn wir sie uns vielleicht anders gedacht oder gewünscht hätten. Das fanden wir sehr bezeichnend.
Starke Persönlichkeiten – malawische Erfolgsgeschichten
Malawi ist ein Land, welches, wenn überhaupt, eher mal durch Probleme und Schwierigkeiten, die es hier im Land gibt, Schlagzeilen macht.
Umso wichtiger, die positiven Seiten und besonderen Menschen immer wieder hervorzuheben. Wir finden es bereichernd, Menschen kennenzulernen, die mit großem Ideenreichtum und Engagement Projekte ins Leben rufen, um sich und Anderen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen.
So wie Bezzel, den wir oft auf einem Markt treffen, wo er aus Perlen hergestellte Kunst verkauft. Er ist als Straßenkind aufgewachsen und hat einen Verein gegründet, der sowohl einigen Straßenkindern ein zu Hause bietet als auch eine Schule am Laufen hält, die Kindern aus besonders schwierigen Familien- und Wohnverhältnissen eine Chance auf Schulbildung ermöglicht. Auch das damit verbundenen Schulessen ist für die Kinder enorm wichtig. Gemeinsam mit den staatlichen Behörden werden Kinder ausgesucht, die für das Projekt ganz besonders infrage kommen. Mit dem Verkauf der Perlenkunst versuchen sie, die Kosten zu decken und gleichzeitig erlernen ältere Schüler dort auch dieses Handwerk, um später selber eine mögliche Arbeitsgrundlage zu haben.
Bezzel strahlt viel Herzenswärme aus und hat ein Team um sich, welches mit viel Liebe für die einzelnen Kinder und kaum eigenem Einkommen mit den Kindern lernt und lebt.

Bezzel mit Kindern in der Schule des „Streetwise Project“
Mit diesem positiven Beispiel soll unser Schreiben heute enden.
Wir wünschen euch einen gesegneten Sommer und grüßen euch herzlich aus unserem malawischen Winter, der uns in diesem Jahr mit teilweise einstelligen Werten in der Nacht manches mal frieren lässt.
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er den einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
(Die Bibel, Evangelium nach Johannes 3,16.)
Gebetsanliegen
Wir freuen uns über viele ermutigende Nachrichten von Menschen und Gemeinden, die für uns beten. Folgende Anliegen bewegen uns derzeit:
Wir sind dankbar…
… für intensive Kontakte mit Malawiern in unserem sozialen Umfeld;
… für ein gutes zurückliegendes Schuljahr;
… für alle unsere Kinder in Malawi und Kenia;
… dafür, dass Micha sich als Dozent gut weiterentwickelt;
… für den guten Austausch mit den Studierenden am Baptist College;
… dass es in diesem Jahr eine bessere Regenzeit gab und die Ernte für viele Menschen gut ausgefallen ist.
Wir bitten darum, dass…
… wir immer wieder ein neues Bewusstsein für die Probleme und Sorgen der Menschen um uns herum entwickeln;
… sich unsere Autoprobleme zeitnah lösen lassen und keine neuen Probleme entstehen;
… wir auf allen unseren Fahrten im Straßenverkehr bewahrt bleiben;
… Micha seine Lehrveranstaltungen für das neue Semester gut vorbereitet bekommt.

Und zuletzt: einige Eindrücke aus unserem Leben

Beim „Africa Day“, einem panafrikanischen Feiertag, konnten wir traditionelle afrikanische Tänze anschauen.

Für den schnellen Einkauf zwischendurch: so sehen die Einkaufsmöglichkeiten jenseits der Supermärkte in den großen Städten aus.

Klettern unter einem Weltkulturerbe: in Malawi befinden sich frühe Zeugnisse der Menschheit, so wie diese Felsmalereien, die bis zu 10.000 Jahre alt sind.

Auch ein frühes Zeugnis, wenn auch deutlich jünger: schottische Missionare bauten im 19. Jahrhundert diese Kirche in Malawis Central Region.

Auf dem Land, aber auch in den ärmeren Stadtvierteln Lilongwes wie Kauma, prägen solche einfachen Häuser das Bild.

Abseits der Hauptstraße: die ohnehin schlechten Straßen werden noch holpriger, aber es gibt immer wieder wunderschöne Natur zu entdecken.

