Als Gemeinde haben wir uns entschlossen, Missionare finanziell zu unterstützen. Ganz konkret geht es um die Familie Soppa, die nach Lilongwe (Malawi) geht.
An dieser Stelle veröffentlichen wir den in unterschiedlichen Abständen erscheinenden Rundbrief der Familie.
Familie Soppa in Malawi
Auf dem Sprung

mit unseren Rundbriefen möchten wir euch regelmäßig einen Einblick geben in das, was wir hier eigentlich so machen, wie es sich als Familie in Malawi lebt und wie es uns damit geht. Gleichzeitig möchten wir euch auch das Land und die Menschen ein wenig näherbringen und versuchen, euch ein Fenster in eine andere Welt zu öffnen.
Vorfreude, schönste Freude…
Unser Heimataufenthalt ist zum Greifen nah und wir freuen uns sehr darauf, nach fast zwei Jahren wieder deutschen Boden zu betreten.
So drehen sich viele Gedanken derzeit ums Koffer packen, z.B., was wir alles mit nach Deutschland nehmen wollen/müssen. Und noch deutlich länger ist die Liste der Dinge, die wir wiederum wieder mit nach Malawi nehmen möchten.
Als wir vor zwei Jahren nichtsahnend hierher kamen mit Dingen im Gepäck, die wir für dringend notwendig hielten und seitdem kein einziges Mal benutzt haben, wissen wir nun, was hier eher schlecht zu bekommen oder aber sehr teuer ist.
Auch darüber hinaus sind wir schon mittendrin in der Planung von Besuchen vieler Gemeinden, welche die Arbeit hier unterstützen. Außerdem geht es um die Koordination vieler anderer Dinge wie Arztbesuche, Sommerferienlager der Kinder, Zeiten mit Freunden und Familie und nicht zuletzt, wann wir an welchem Ort unser vorübergehendes Zuhause aufschlagen.
Für diejenigen, die es interessiert: unten findet ihr eine Liste mit Terminen, wann wir voraussichtlich in welcher Gemeinde (meist an einem Sonntag) zu Gast sein werden.
Wir werden über unseren Alltag und unsere Arbeit hier in Malawi erzählen und Micha wird auch predigen.
Unser Schreiben sollte euch schon eher erreichen, aber seit ein paar Wochen hat uns eine Krankheitswelle im Griff und schlaucht uns etwas.
Bei allem, was noch zu tun ist vor unserer Abreise, ist es manchmal nicht einfach, dem Körper Ruhe zu gönnen und das zerrt dann auch an den Nerven. Da dürft ihr gern an uns denken.
Wasser – hier zu viel und da zu wenig – Anekdote aus dem ganz normalen (afrikanischen) Familienalltag
Wir hatten geplant, über Ostern für einige Tage zu campen. Die Erfahrung vom letzten Jahr zeigte, dass dann die Regenzeit schon längst vorbei und der April ein noch warmer, trockener Monat, ist.
So nicht in diesem Jahr…
Nach sieben Stunden Fahrt und 400 km Strecke – in Malawi sind alle Strecken lang – kamen wir schließlich gemeinsam mit dem Regen an. Unsere Zeltnachbarn luden uns direkt in ihr Zelt ein, damit wir einigermaßen trocken bleiben konnten und wir nutzen eine kurze Nieselphase, um fix zwei Zelte aufzubauen. Auf dem Campingplatz gab es dann immer wieder keinen Strom und auch kein Wasser. Letzteres dafür aber umso mehr von oben. Am nächsten Tag wagten wir noch eine Wanderung zu den schönen Naturpools mit Wasserfall (natürlich auch im Dauerregen), weshalb wir unter anderem hier waren. Aber auch die Fahrt bis zum Parkplatz durch herrliche Teefelder gestaltete sich abenteuerlich durch überflutete Straßen und kleinere Flussbetten. Unseren Campingurlaub brachen wir schließlich nach zwei Tagen im Schlamm ab und freuten uns auf Dusche und Ostersonntag zu Hause. Dort angekommen gab es allerdings auch gerade kein Wasser. Grund: der obligatorische Wasserrohrbruch, der bei Tiefbaumaßnahmen hier fast schon zum guten Ton gehört. Aber für ein Fußbad aus den irgendwann mal abgefüllten Kanistern (hier sorgt man vor!) reichte es zumindest.

Wanderung zu den Naturpools im Regen

Hier brauchten unsere Freunde etwas Hilfe der Einheimischen, um durch das Schlammloch zu kommen.
Am Baptist College (BACO) geht das erste Semester des Jahres seinem Ende entgegen…
Ich (Micha) freue mich sehr über den Fortschritt, den ich mit meinen Griechischstudierenden machen konnte. Nach inzwischen vier Semestern, die ich hier unterrichtet habe, hatte auch ich selbst die Gelegenheit, mich als Dozent weiter zu entwickeln, so dass wir gut arbeiten konnten und ich in den Studierenden ein lebhaftes Interesse am neutestamentlichen Griechisch wecken konnte. Sie haben von sich aus den Wunsch geäußert, auch nach den zwei Semestern, in denen sie am BACO Griechisch lernen, weiter an der Sprache dran zu bleiben und sich nach geeigneter Literatur erkundigt. Leider sind die entsprechenden Materialien – eine Ausgabe des griechischen Neuen Testaments sowie ein geeignetes Wörterbuch – in Malawi nicht erwerblich und müssten im Ausland besorgt werden. Allerdings kommen solche Anschaffungen für malawische Studierende aufgrund der hohen Kosten solcher Literatur kaum in Frage (beide Bücher zusammen entsprechen vom Wert her ungefähr den monatlichen Lebenshaltungskosten einer 4-5-köpfigen Familie). Zum Glück gibt es aber auch online viele Ressourcen, auf die sie zurückgreifen können.
Auch meine Vorlesung über Christologie und Soteriologie (also über die Person Jesu Christi und die Erlösungslehre) hat mir wieder viel Freude bereitet. Ich hatte sehr engagierte Studierende mit denen ich im Verlauf des Semesters viele spannende Diskussionen geführt habe. Es macht großen Spaß und ist auch für mich lehrreich, diverse Themen aus unterschiedlichen theologischen und kulturellen Perspektiven zu betrachten. Für großen Unterhaltungswert auf Seiten der Studierenden sorgt es, wenn ich versuche, immer mal etwas Chichewa in meine Vorlesung einfließen zu lassen und insbesondere ein Student versucht immer mal wieder, mir theologisches Vokabular auf Chichewa beizubringen.
Vor einigen Wochen hatten wir am BACO eine Delegation des National Council for higher Education (NCHE) für eine Woche zu Gast. Diese Behörde ist für die Akkreditierung des BACO als Universität zuständig und hat sich über die Fortschritte des BACO bei der Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen zur Erfüllung aller Auflagen zur Erteilung der Akkreditierung ein eigenes Bild gemacht. Der Prüfbericht steht noch aus, aber wir sind guter Dinge, ein positives Zeugnis ausgestellt zu bekommen.
Da wir zu Beginn des nächsten Semesters noch auf unserem Heimataufenthalt in Deutschland sein werden, muss ich jetzt schon mit den Vorbereitungen beginnen, um bis zu unserer Rückkehr nach Malawi online unterrichten zu können. Welche Kurse ich dann unterrichten werde, steht noch nicht zu 100% fest. Nur Griechisch werde ich dann vorerst nicht mehr unterrichten, da ich gebeten wurde, Hebräisch zu unterrichten. Darauf freue ich mich sehr, auch wenn ich zugeben muss, dass mein Hebräisch etwas eingerostet ist. Umso schöner, dass ich nun eine Gelegenheit habe, mich auch mit dieser schönen Sprache wieder mehr auseinanderzusetzen.

Ab und zu predigt Micha in Gemeinden in Lilongwe
Leben teilen – Beziehungsarbeit auf unterschiedliche Weise
Im letzten Jahr konnten wir immer mal wieder unsere Volontäre bei uns beherbergen.
Sie waren zu viert mit der EBM bzw. dem „weltwärts“ Programm der Bundesregierung für ein Jahr in Malawi.
Zwar hatte keiner seinen Einsatzort hier in Lilongwe. Aber besonders zwei von ihnen, Noa und Kosima, kamen öfter auf der Durchreise, zur Visabeantragung oder auch mal zum Plätzchen backen vorbei.
So konnten wir ein bisschen Familienalltag und Leben teilen…
Wir haben es als große Bereicherung empfunden ein Stück Ersatzfamilie in der Fremde zu sein und werden sie echt vermissen im nächsten Jahr.
Schön war auch, mitzuerleben, wie aus manch schwieriger Anfangssituation Gutes entstanden ist und sie hier ihren Weg gegangen sind.
Beziehungen knüpfen, Leben und Glauben teilen – manchmal sind es scheinbar kleine, alltägliche Situationen, die wir auch als Teil unserer Arbeit hier verstehen.
Schön sind die Begegnungen, die sich leicht und unkompliziert anfühlen, wie z.b. bei den Frauen, die immer vorne an der Straße sitzen und Tomaten, Erdnüsse und je nach Saison, Kürbisse, Mangos oder Süßkartoffeln verkaufen.
Sie winken immer schon, wenn sie mich (Margrit) sehen und wir kommen ein bisschen ins Gespräch – sie mit ihrem kaum vorhandenen Englisch, ich mit meinem sehr rudimentären Chichewa, aber das ist nicht weiter schlimm.
Ich fragte eine von ihnen neulich anhand von Gesten, ob sie mir die Tüte Tomaten eben schnell zu unserem Tor bringen könnte, da ich eigentlich schon zu spät dran war und schnell weitermusste. Sie versuchte mir wiederum auf Chichewa klar zu machen, warum das nicht ginge – „Galu“ habe ich verstanden – ach ja, unser Hund. Die meisten Malawier haben große Angst vor Hunden.
Aber so einfach ist es eben dann doch nicht immer. Das große, weit verbreitete Hierarchiedenken macht uns zu schaffen. Wir sind der „Boss“ und „Madam“ oder „Mama“ und schon allein durch unsere Hautfarbe ist oftmals scheinbar kein Kontakt auf Augenhöhe möglich. Wir versuchen, die dahinterstehenden Geschichten zu verstehen: die Jahre unter britischer Kolonialherrschaft und auch die lange Zeit der Missions- und Hilfsorganisationen; Weiße, die ins Land kamen und Hilfe und Entwicklung bringen wollten, aber auch ein System der Abhängigkeit und Unterwürfigkeit mitbrachten, was bis heute stark spürbar ist. Wir wünschen es uns anders aber wie kann das gelingen? Auch wir mussten dazulernen in den zwei Jahren und haben nicht immer alles richtig gemacht.
Eine andere Begegnung, in einem Park, in dem ich öfter morgens mit unserem Hund spazieren gehe. Viele gehen dorthin, um morgens zu beten. Sie sitzen auf ihren Chitenjetüchern irgendwo zwischen den Bäumen, singen oder laufen laut betend auf und ab.
Einmal traf ich dort auf eine Frau, Gladis, und wir kamen ins Gespräch. Darüber, wo wir wohnen, was wir hier machen, unterhielten uns über unsere Familien und unseren Glauben. Wir haben unsere Nummern ausgetauscht und begegneten uns danach noch ein paar Mal. Wir hatten nette Gespräche auf einer, wie ich es empfand, freundschaftlichen Ebene.
Beim dritten Aufeinandertreffen fragte sie mich, ob ich sie finanziell unterstützen könnte, da sie ihr Geschäft wieder aufbauen wolle.
Solche Situationen erleben wir häufig. Es ist oftmals schwer einzuschätzen, welcher Natur eine Beziehung ist. Und wir versuchen, auch dort die Hintergründe und Not zu verstehen, aber es ist auch einfach manchmal frustrierend, weil so eine echte Begegnung auf Augenhöhe schwer möglich ist.
In diesem Fall – da ich den Eindruck hatte, wir haben eine ganz gute Basis und weil hier die Sprache kein Hindernis darstellte – habe ich versucht, ihr meine Sichtweise zu erklären. Dass ich echtes Interesse an ihr als Person habe und auch generell an den Menschen hier, aber es schwierig ist, von Mensch zu Mensch zu kommunizieren, wenn ich (nur) als die Person mit dem Geld gesehen werde. Es entwickelte sich ein ganz gutes Gespräch daraus und ich hoffe, ich habe sie nicht komplett vor den Kopf gestoßen und kann weiter mit ihr im Kontakt bleiben.

Plausch mit Frauen in unserer Area
Was bewegt Malawi? – Im Gespräch mit Fexon
Fexon erzählt aus seiner Sicht, was ihn und viele andere Malawier zurzeit beschäftigt.
Er erzählt uns, wie sehr die Preise überall steigen. Das Geld ist immer weniger wert, trotzdem steigt ja das monatliche Einkommen der meisten Menschen nicht mit an. Der Preis für einen Sack Ufa (Maismehl aus dem das Hauptnahrungsmittel Nsima gekocht wird) ist kaum noch bezahlbar. In der Stadt haben die meisten Malawier auch gar kein Feld, um sich selber Mais anzubauen, da der Platz fehlt. Sie müssen die Lebensmittel also direkt kaufen. Außerdem arbeiten sie häufig für ihre Familien mit, die außerhalb der Stadt auf Dörfern leben und unterstützen diese finanziell. Das ist oft mit den Schulkosten der Kinder und allem Anderen kaum zu stemmen.
Im September sind hier Wahlen. Fexon sieht einige gute Dinge, die der jetzige Präsident Lazarus Chakwera für die Menschen tut. Er baut viele Straßen neu. Ja, auch in seinem Viertel sieht er Verbesserungen nicht nur auf den großen Hauptverkehrsstraßen. Außerdem gebe der Präsident manchen Familien außerhalb der Stadt Land, um Mais und Gemüse anbauen zu können. Auch das Stromnetz hat sich deutlich verbessert, viel mehr Menschen haben so inzwischen Zugang zu Strom. Fexon glaubt, dass viele ihn wieder wählen werden.

Unser Gärtner Fexon mit seiner Familie
Hier in Lilongwe machen wir unser Haus nun für drei Monate sozusagen winterfest: Bringen die Hunde und einige wertvollere Gegenstände woanders unter, verabschieden uns von Freunden, die Malawi verlassen und nicht mehr da sein werden, wenn wir zurückkommen und überbrücken den afrikanischen Winter mit Wärme in Deutschland, um pünktlich zum Frühlings- und Hitzestart wieder hier sein!
Und zum Schluss: einige Fotos aus unserem Leben und Alltag

Die Wahl im Februar haben wir zu Gast bei der deutschen Botschafterin verfolgen dürfen

Immer im Mittelpunkt – besonders auf den Dörfern werden wir oft von vielen begutachtet

Besuch in einer Chichewa-sprechenden Gemeinde

Zeltgeburtstag im Regen

Die Qual der Wahl auf dem Chitenjemarkt
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er den einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
(Die Bibel, Evangelium nach Johannes 3,16.)
Gebetsanliegen
Wir freuen uns über viele ermutigende Nachrichten von Menschen und Gemeinden, die für uns beten. Folgende Anliegen bewegen uns derzeit:
Wir sind dankbar für
- die vielen Freundschaften, die wir und auch die Kinder in den letzten zwei Jahren aufbauen konnten;
- ein weiteres gutes Schuljahr, in welchem die Kinder sich gut entwickelt haben;
- ein gutes zurückliegendes Semester am Baptist College;
Wir bitten darum, dass
- wir bewahrte Reisen nach Deutschland, in Deutschland und zurück nach Malawi haben werden;
- wir als Eltern in all dem Trubel der Reisen und Gemeindebesuche die Kinder nicht aus dem Blick verlieren;
- sich der Onlineunterricht von Deutschland aus gut umsetzen lässt;
- wir wertvolle und bereichernde Zeiten mit Freunden und Familie in Deutschland haben werden;
- die Wahlen in Malawi friedlich verlaufen;
- die Wirtschaft und der Kurs der Kwacha (Währund in Malawi) in Malawi sich gut entwickeln, damit die Nöte und finanziellen Sorgen der Menschen hier gemindert werden.

Rundbrief #08 – Juni 2025

