Als Gemeinde haben wir uns entschlossen, Missionare finanziell zu unterstützen. Ganz konkret geht es um die Familie Soppa, die nach Lilongwe (Malawi) geht.
An dieser Stelle veröffentlichen wir den in unterschiedlichen Abständen erscheinenden Rundbrief der Familie.
Familie Soppa in Malawi
Muli bwanji? (Chichewa): Wie geht es dir?

mit unseren Rundbriefen möchten wir euch regelmäßig einen Einblick geben in das, was wir hier eigentlich so machen, wie es sich als Familie in Malawi lebt und wie es uns damit geht. Gleichzeitig möchten wir euch auch das Land und die Menschen ein wenig näherbringen und versuchen, euch ein Fenster in eine andere Welt zu öffnen.
Jahreszeiten
Der Wechsel der Jahreszeiten ist wohl etwas, was wir hier mit am meisten vermissen.
Die Regenzeit begann im Dezember und neigt sich dem Ende. Aber es regnet wenig, zu wenig für die erwartete Maisernte, jedenfalls in unserer Region. Hier bei uns ist es seit Oktober im Großen und Ganzen heiß und staubig. Durch den zwischendurch dann doch sehr heftigen Regen werden dennoch die Schlaglöcher auf den Straßen mehr und tiefer und wir hatten öfter mal keinen Strom – neulich eine ganze Woche lang. Dies war aber die Ausnahme, und wir haben immer noch Freunde, die einen Generator haben, bei denen wir alles Mögliche aufladen können (Handy, Laptop, Batterien für die Stirnlampen…). Glücklicherweise haben wir einen Gasherd, erleben also, abgesehen von dem geschmolzenen Eis in der Gefriertruhe, kaum einen Mangel. Wenn Starkregen ist, müssen wir uns im Haus wegen des Wellblechdaches, auf dem der Regen sehr laut prasselt, teilweise anschreien, das ist manchmal sehr komisch.
Ab Ende April soll der afrikanische Winter kommen, den wir dann das erste Mal erleben werden.
Unser Zeitgefühl ist immer noch ziemlich durcheinander wegen der Umstellung auf einen anderen Jahreszeitenrhythmus. Die Monate vergehen für uns wie im Flug. Mittlerweile berichtigt uns Emma in der englischen Grammatik und Annemie spricht mit amerikanischem Akzent.
Matthis und Ruben treffen sich öfter mit Kumpels und spielen Fußball im Garten – wir genießen nach wie vor diesen Reichtum an Platz.

Malawi – Kultur, Land und Leute
„Chichewa“ lernen macht uns weiterhin Spaß, und wir können oft mit unserer Lehrerin über viele „Chichenglisch“- Wörter lachen wie zum Beispiel über „kitchini“ (Küche) oder über „Hatchi“ – was „Pferd“ heißt. Das Anwenden der Sprache ist aber schwierig. Wenn wir anfangen, mit Leuten Chichewa zu sprechen, reden sie oft sehr schnell auf uns ein, und meist verstehen wir dann gar nichts mehr. Dennoch können wir uns doch mittlerweile in einfachen Mitteilungen verständlich machen.
Teil des Chichewa-Unterrichts ist auch, dass wir etwas über Land und Leute kennenlernen. Letzte Woche hat uns unsere Lehrerin erklärt, wie wichtig es ist, in bestimmten Situationen Respekt zu zeigen. Anlass war, dass Margrit im Straßenverkehr auf eine Menschenmenge gestoßen war und nicht wusste, was gerade los war. Wenn man zum Beispiel im Verkehr einer Trauerprozession begegnet, dann fährt man nicht etwa daran vorbei, sondern muss am Straßenrand halten, aussteigen und die Prozession stehend passieren lassen. Als Frau dürfe man dabei keine offenen Haare haben und müsse um die Hüften ein „Chitenje“-Tuch (s. Bilder) tragen, dass man zu diesem Zweck immer im Auto bereit liegen haben sollte.
Wie oben erwähnt, steht die Maisernte bevor, die für die meisten Menschen die Lebensgrundlage darstellt (Je nach Quelle leben zwischen 80 und 85% der Bevölkerung vom Ackerbau). Durch die Trockenheit gedeiht der Mais aber teilweise schlecht und die Gefahr besteht immer, dass ein Sturm und Starkregen die Ernte doch noch zerstört. Insgesamt ist die Lage für uns schlecht einzuschätzen, weil unterschiedliche Quellen immer wieder etwas Anderes erzählen. Aktuell ist in vielen Regionen des Landes aufgrund des Wetterphänomens „El Niño“ der Katastrophenfall ausgerufen worden. Der Präsident von Malawi hat die internationale Gemeinschaft aufgerufen, das Land durch Geld- und Lebensmittelspenden zu unterstützen. Generell wird ein weiteres eher schwieriges Jahr erwartet, viele haben auch schon die Ernte vom letzten Jahr verloren.




Was bei Margrit gerade los ist…
Ich habe seit Januar gemeinsam mit meiner Chichewa-Lehrerin Amess, die selbst seit 13 Jahren verwitwet ist, einige Gruppen von Witwen in Lilongwe und auf verschiedenen Dörfern besucht.
Die Frauen treffen sich wöchentlich, singen und beten gemeinsam und unterstützen sich gegenseitig im Alltag. Zum Bespiel können sie einen kleinen Beitrag in eine Gemeinschaftskasse einzahlen und bewirtschaften so gemeinsam ein Feld und können sich den Ertrag teilen. Dennoch haben diese Frauen es sehr schwer, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Deshalb haben wir gemeinsam mit einigen Frauen eine Aktion gestartet und konnten sie mit einigen Grundnahrungsmitteln – einem Sack Maismehl, Sojapieces – eines der günstigsten und nahrhaftesten Nahrungsmittel – und einem Liter Öl versorgen. Die Frauen waren sehr glücklich und dankbar, und es waren jedes Mal erlebnisreiche Besuche. Einmal bekamen wir je einen Hahn als Dankeschön geschenkt, so sind wir spontan in die Hühnerzucht eingestiegen.
Die Schwierigkeit für mich bei diesen Aktionen war aber auch, als Weiße „präsentiert“ zu werden. Wir „mussten“ in jeder erdenklichen Situation für Fotos posieren, ich kam mir manchmal sehr vorgeführt vor.
Besonders emotional war für mich der Besuch eines sehr alten Mannes, auch verwitwet, der in einem Dorf abseits vor seiner Hütte saß. Auch er bekam eine Ration mit Maismehl, Öl und Sojapieces, und ich konnte die Sachen für ihn in seine Hütte tragen. Eine typische malawische Hütte, aus einfachen Ziegelsteinen mit Strohdach, kaum Licht, ein kleiner Tisch, ein Stuhl – geschlafen wird auf dem Boden.


Endlich habe ich auch die Krankenstation in Senga Bay besuchen können und werde dort hoffentlich demnächst anfangen, in der „Under 5 Clinic“ – also der wöchentlich stattfindenden Kindersprechstunde –mitzuarbeiten. Die Klinik ist in einem Distrikt nahe dem Malawisee und bietet den Menschen auf dem Land medizinische Hilfe mit einfachen, begrenzten Mitteln. Schwangerenversorgung und Entbindungen, zahnmedizinische Versorgung, Malariabehandlung, aber auch die Palliativersorgung Schwerstkranker sind hier Aufgabenschwerpunkte. Medikamentenknappheit, defekte Geräte und Toiletten sind einige Probleme, mit denen sie dort zu kämpfen haben.
Auf dem Weg zur Klinik bin ich allerdings auch in meine erste längere Polizeikontrolle geraten, bei der ich 1,5 h festgehalten wurde. Ich durfte dann irgendwann weiterfahren, aber die ständigen Kontrollen auch innerhalb Lilongwes – manchmal zwei bis dreimal am Tag – belasten mich oft im Alltag.



… bei Micha…
Bei mir (Micha) ist das zweite Semester, in dem ich hier bin, schon wieder halb rum. Die Zeit scheint diesbezüglich gerade sehr zu verfliegen. Zur Erinnerung: zusätzlich zu dem Griechisch Unterricht, den ich im letzten Semester begonnen habe, halte ich seit Anfang Februar eine Vorlesung zum Thema „Christologie und Soteriologie“ (= Lehre von der Erlösung). Kurz gesagt geht es in der Vorlesung darum, wer Jesus ist und was es mit seiner Erlösung für uns Menschen auf sich hat. Während ich mich zu Beginn des Semesters eher noch gefragt habe, was ich ein ganzes Semester lang zu diesem Thema erzählen werde, habe ich inzwischen eher Sorge, meinen Stoff nicht bis zum Vorlesungsende durchzubekommen. Das liegt zum einen daran, dass wir uns in unserer Vorlesung natürlich nicht mit oberflächlichen Betrachtungen zufriedengeben, aber auch daran, dass es immer wieder interessante Rückfragen der Studierenden gibt, so dass wir manches Mal eine Extrarunde durch verschiedene Felder der Theologie drehen. Das macht mir großen Spaß und ist sowohl für mich selbst als auch für die Studierenden nach eigenem Bekunden eine große Bereicherung. Neben manchen Erkenntnissen, die mich in der Vorbereitung immer wieder ereilen, gibt es auch für meine Zuhörer, die deutlich älter sind als ich und in ihren Heimatgemeinden bereits viele Jahre als Pastoren dienen, noch Neues zu entdecken. Immer wieder kommen wir dabei auf die Frage zurück, wie wir Menschen glaubwürdig von Jesus erzählen können, so dass sie es auch verstehen können. Das ist einerseits deshalb schön zu sehen, weil ich nicht das Gefühl habe, ständig nur Eulen nach Athen zu tragen, und es mir andererseits auch zeigt, dass theologisches Nachdenken niemals fertig ist.
Apropos „niemals fertig“: das trifft auch auf den Griechisch Kurs zu. Während alle Studierenden den Kurs im letzten Semester bestanden haben, haben mir die Klausurergebnisse auch gezeigt, dass wir ein bis zwei Gänge zulegen müssen, um zum Ende dieses Semesters dort anzukommen, wo wir dann sein müssen. Das war zu Semesterbeginn noch ziemlich zäh, aber gerade nehmen wir (dringend benötigte) Fahrt auf und kommen voran. Dafür bin ich sehr dankbar.
Eine kleine Anekdote zum Miteinander im Kollegium: ich wurde neulich darauf hingewiesen, dass die Lehrenden, die nicht auf dem Campus wohnen und im Speisesaal zu Mittag mitessen, einen monatlichen Beitrag zahlen, den ich ab jetzt bitte auch entrichten möge. Als ich mich dafür entschuldigte, das im letzten Semester aus Unwissenheit nicht getan zu haben, wurde mir gesagt, das habe schon seine Richtigkeit, da ich als Neuankömmling noch das Gastrecht genossen habe, aber jetzt gehörte ich fest dazu. Darüber freue ich mich und es passt auch zu meinem eigenen Empfinden.
Im April werden für zwei Wochen alle Studierenden, die ein berufsbegleitendes Fernstudium (Open Distant Learning, ODL) am College absolvieren, vor Ort sein, um in Intensivkursen auf den aktuellen Stand der Dinge zu kommen.



Eigentlich hatten wir kurz vor Ostern Besuch von Margrits Eltern erwartet. Leider konnten sie doch nicht kommen. Das war sehr schade, auch für die Kinder. So mussten wir unseren Kurzurlaub am Malawisee dann doch im gewohnten Kreis verbringen. Wir konnten die Auszeit dort trotzdem sehr genießen. Besonders das Schnorcheln hat uns begeistert. Wir konnten so viele Fische in so vielen Farben bestaunen, dass wir uns gar nicht sattsehen konnten.
Wir hoffen, dass ihr alle ein gesegnetes Osterfest hattet. Der HERR ist auferstanden! Diese Botschaft mag simpel klingen, aber sie ist bedeutsam. Wir haben einen lebendigen Gott, der uns liebt und dessen Liebeskraft alles überwunden hat, was ihr in entgegensteht. Wir wünschen euch, dass ihr diese Liebe in eurem Alltag erfahrt!
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er den einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
(Die Bibel, Evangelium nach Johannes 3,16.)
Gebetsanliegen
Wir freuen uns über viele ermutigende Nachrichten von Menschen und Gemeinden, die für uns beten. Folgende Anliegen bewegen uns derzeit:
Wir sind dankbar für
- unseren Hauskreis („Growth Group“).
- den schönen Urlaub (inkl. Schnorcheln).
- die Freundschaften unserer Kinder.
- die Kontakte, die wir per WhatsApp und Zoom halten können.
- den Rückhalt aus Deutschland.
Wir bitten darum, dass
- wir im Straßenverkehr bewahrt bleiben.
- wir in schwierigen Situationen (Polizeikontrolle!) die Nerven behalten können.
- Emma und Ruben gute Gestaltungsmöglichkeiten für ihren Alltag entdecken.
- unsere Haushaltshilfe Jennifer ein gesundes Kind zur Welt bringt und die Geburt gut übersteht.

Rundbrief #04 – April 2024

