Predigtthema: Die dritte Zusage: „Fürchtet euch nicht!“ | Lukas 2,8–14
Die Weihnachtsgeschichte ist mehr als nur eine nette Geschichte von Maria, Josef und einem Stall. Sie enthält eine dreifache Befreiung von der Angst, die uns bis heute plagt. In der dritten Botschaft des Engels begegnen wir der tiefsten Angst vieler Menschen: der Angst, nicht gut genug für Gott zu sein.
Oft, wenn wir mit dem Tod oder großen Krisen konfrontiert sind, stellen wir uns die Frage: Wie steht es um meine Beziehung zu Gott? Ich weiß, was ich alles falsch gemacht habe. Ich fühle mich ihm heute nicht nah. Was, wenn heute mein letzter Tag ist?
Der königliche Herold – geschickt zu den Außenseitern
Normalerweise schickt man zur Geburt eines Königs einen Herold in den Palast, zu den wichtigen Würdenträgern, Priestern und Schriftgelehrten.
Doch Gott? Er schickte den Engel nicht zu den Frommen, den Rabbis oder den Heiligen. Der Engel trat zu den Hirten.
Das war ein Skandal!
Zur Zeit Jesu waren Hirten die Außenseiter der Gesellschaft, verachtet und ganz unten in der sozialen Hierarchie. Das lag daran, dass sie oft die Felder der sesshaften Bauern ruinierten. Zudem wurden sie als „zeremoniell unrein“ angesehen, da sie ständig mit Tieren beschäftigt waren. Sie hatten keinen Zutritt zum Tempel und durften nicht einmal vor Gericht aussagen.
Die Botschaft an die Hirten war klar: Du bist nicht gut genug für Gott.
3 Gründe, warum sich die Hirten nicht gut genug fühlten
Diese Ausgestoßenen verkörperten drei zentrale Ängste, die wir heute noch spüren:
1. Sie fühlten sich nicht gut genug (Unreinheit)
Ihr Beruf machte es ihnen unmöglich, die Gesetze zur rituellen Reinheit einzuhalten. Wenn sie nach Hause kamen, galt: „Halt dich vom Tempel fern!“.
Auch wir kennen dieses Gefühl: „Wenn ich auf meine letzte Woche zurückschaue – wie ich mit meinem Partner geredet habe, wie ich mich auf der Arbeit verhalten habe – bin ich diese Woche nicht gut genug, um vor Gott zu treten.“
2. Sie fühlten sich nicht adäquat (Ungebildet)
Die Hirten waren ungebildet, wurden als „Menschen 2. Klasse“ betrachtet und galten als unglaubwürdig. Man durfte ihnen nicht trauen.
Heute vergleichen wir uns mit anderen: „Sie sind geistlicher als ich, verdienen mehr, haben mehr Follower. Meine Gebete sind holprig, ich kenne mich in der Bibel nicht gut genug aus.“
3. Sie fühlten sich ungeliebt
Weil die Gesellschaft sie mied (man wechselte die Straßenseite, man traute ihnen nicht auf dem Marktplatz), fühlten sie sich an jedem Ort ungeliebt und unerwünscht.
Vielleicht fühlen Sie sich heute überfordert von der Weihnachtszeit oder an einem ganz anderen Punkt im Leben, als Sie es sich gewünscht hatten. Fühlt Gott sich da trotzdem zu mir hingezogen?
Die Botschaft an die ganz Unten
Gerade diesen Menschen, die durch das religiöse Netz gefallen waren und denen es physisch unmöglich war, sich an alle Regeln zu halten, erscheint der Engel und verkündet die Gute Nachricht: Der Retter ist geboren.
Diese Nachricht war immer schon für diejenigen gedacht, die sie am dringendsten brauchten und sie am wenigsten verdient hatten.
Die Geburt Christi macht eine revolutionäre Wahrheit sichtbar:
„Kein Mensch ist vor Gott gerecht, weil er das Gesetz befolgt.“ (Römer 3,20)
Das Gesetz existiert nicht, damit wir es erfüllen, sondern um uns aufzuzeigen, dass wir einen Retter brauchen. Wer nicht erkennt, dass er das Gesetz nicht erfüllen kann, der versteht auch nicht, warum er Jesus braucht.
Die Befreiung: Nicht ich, sondern Christus
Der Engel sagt: „Fürchtet euch nicht! Denn heute ist in der Stadt Davids für euch der Retter geboren worden: Er ist Christus, der Herr.“
Die Annahme bei Gott basiert nicht auf dem, was Sie tun, sondern auf dem, was Christus getan hat.
„Es ist der Glaube an Jesus Christus, der uns die Gerechtigkeit Gottes zugänglich macht.“ (Römer 3,22)
Gott verkündete es nicht im Palast. Er verkündete es denen, die am wenigsten erwartet hätten, dass er sie liebt.
- Niemand ist so weit weg, dass Gott ihn nicht erreichen kann.
- Niemand ist so niedrig, dass Gott ihn nicht liebt.
- Keine Verfehlung ist so groß, dass Gottes Gnade nicht größer wäre.
Christus kam nicht für die Gerechten, sondern für die Sünder. Er kam nicht für die Gesunden, sondern für die Kranken. Fürchte dich nicht – der Retter dieser Welt ist für dich geboren!

