Als Gemeinde haben wir uns entschlossen, Missionare finanziell zu unterstützen. Ganz konkret geht es um die Familie Soppa, die nach Lilongwe (Malawi) geht.
An dieser Stelle veröffentlichen wir den in unterschiedlichen Abständen erscheinenden Rundbrief der Familie.
Familie Soppa in Malawi
Start ins neue Jahr!

mit unseren Rundbriefen möchten wir euch regelmäßig einen Einblick geben in das, was wir hier eigentlich so machen, wie es sich als Familie in Malawi lebt und wie es uns damit geht. Gleichzeitig möchten wir euch auch das Land und die Menschen ein wenig näherbringen und versuchen, euch ein Fenster in eine andere Welt zu öffnen.Wir schicken euch warme, sonnig-regnerische Grüße zum neuen Jahr!
Gerade genießen wir sehr die Wärme und Sonnenblumen im Februar und möchten gar nicht so recht mit dem deutschen Wetter tauschen.
Wir sind ruhig in das neue Jahr gestartet und konnten ein paar Tage campen gehen in bisher unerkundeter, wunderschöner Natur in einem malawischen Nationalpark.
Wir möchten euch noch einmal mitnehmen in die letzten zwei Monate des vergangenen Jahres, in denen bei uns noch einiges los war…
Im November bin ich (Margrit) zu einem einwöchigen Anamed Seminar zum Thema Natural Medicine auf die Balaka Farm gefahren. Anamed steht für „Aktion natürliche Medizin in den Tropen“.
Gemeinsam mit zwei von unseren Freiwilligen, die mit der EBM/ weltwärts ein Jahr nach der Schule hier in Malawi verbringen, machte ich mich von Lilongwe mit dem hier gängigen Fortbewegungsmittel, dem Minibus, auf die etwa dreieinhalbstündige, (mit dem Minibus eher 6-stündige) Fahrt zur Farm.
Land und Leute – Minibus
Minibusse fahren überall herum und werden mit mindestens 20 Personen und jeder Menge Gepäck, teils auch Tieren, beladen. Meist lässt sich die Kofferraumtür nicht mehr schließen und das hervorquellende Gepäck wird mit Schnüren zusammengehalten. Alles Weitere wird im Innern des Busses zwischen und auf die Fahrgäste gestapelt. Unterwegs kann es passieren, dass man an einen anderen Minibus weiter „verkauft“ wird. Der Fahrer kümmert sich dann aber solange, bis alle seine Fahrgäste in einem anderen Bus untergebracht sind und das das Geld anteilig an den nächsten Fahrer weitergegeben wird.
Hier erlebten wir eine besondere Woche gemeinsam mit 18 anderen Teilnehmern, die, teils aus den Nachbarorten, teils aus anderen Teilen Malawis, aber auch extra aus Ghana und aus den Niederlanden angereist waren.
Wir lernten in der Woche eine Menge über tropische Heilpflanzen und wie sie angewendet werden können, z.B. in Form von Tees, Salben oder Tinkturen. Bei Krankheiten wie Malaria, Durchfall- oder Atemwegserkrankungen oder wie sie blutdrucksenkend und wundheilungsfördernd wirken können.
Im Vordergrund stand stets, was „locally available“, also was für Menschen aus Malawi (Afrika) verfügbar ist und wie eventuell verloren gegangenes Wissen über die Natur wieder reaktiviert und zunutze gemacht werden kann.
Besonders wir Europäer konnten von den afrikanischen Teilnehmern viel durch deren Erfahrungsschatz und Erzählungen aus ihrer Kultur dazulernen.
An erster Stelle stand für das leitende Team aber immer wieder die persönliche Beziehung zu den Menschen, das Aufbauen von Vertrauen und Freundschaft und erst danach kann vielleicht auch neues Wissen auf- und angenommen werden. Dies fängt dann oft in kleinen Schritten an.

Im Minibus auf der Fahrt zur Balakafarm
Ich konnte das nachvollziehen am Beispiel von Jenifer und Fexon, die bei uns zu Hause im Garten und Haushalt helfen. Oft gehen sie mit ihren Kindern ins Krankenhaus und kommen wieder zurück mit kleinen, unbeschrifteten Tütchen mit Tabletten, die sie nicht kennen. Oft sind es Antibiotika.
Antibiotika werden hier sehr viel und schnell gegeben, Antibiotikaresistenzen sind daher ein großes Problem.
Ich denke, da ist auch viel Angst im Spiel, denn Menschen versterben eben auch viel schneller an Malaria oder Durchfallerkrankungen.
Ihnen, ohne jemals den Gang zum Arzt oder westliche Medizin als falsch darzustellen – denn die ist natürlich gut und wichtig – trotzdem im Kleinen nahezubringen, dass es zum Beispiel auch virale Infekte gibt, die man ggf. auch anders behandeln kann, erfordert erstmal eine vertrauensvolle Basis.
Für die Menschen außerhalb einer größeren Stadt wie Lilongwe, die viel weniger Zugang zu medizinischer Hilfe haben, ist das Wissen um natürliche Ressourcen noch einmal essentieller.
Anfang Dezember stand unser Missions-Retreat in Zomba an, ein gemeinsames Treffen mit anderen Missionaren aus Süd- und Ostafrika, also unseren Kolleg/innen von EBMI.
Mit dabei waren auch Michael Kißkalt, Leiter von EBMI aus Deutschland und Fletcher Kaiya aus Malawi, scheidender EBMI-Repräsentant für das südliche Afrika.
Leider konnte unsere spanische Kollegin aus Mozambique nicht teilnehmen, da sie wegen der starken Unruhen nach der umstrittenen Wahl im Oktober aus Sicherheitsgründen ihren Wohnort nicht verlassen konnte bzw. zu dem Zeitpunkt auch einige Flughäfen generell geschlossen waren.
Außerdem sollten wir die neue EBMI-Repräsentantin für das südliche Afrika, Ria Tintswalo Mojapelo, kennenlernen, denn Fletcher wurde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Ria verpasste jedoch ihren Flug in Südafrika und konnte nur online dabei sein.
Auch wenn wir zuletzt eine kleine, fast ausschließlich deutsche, Gruppe waren, hatten wir guten Austausch, haben uns gegenseitig von unserer Arbeit erzählt, füreinander gebetet und einfach aufgetankt. Das tat gut.
Kosima, eine von unseren EBM-Volontärinnen, hat ihren Einsatzort in Zomba und hatte sich bereiterklärt, für die Tage ein Auge auf unsere Kinder zu haben. Das tat sie auch mit viel Liebe. Auf dem Programm für die Kinder stand Freundschaftsarmbänder knüpfen, Weihnachtssterne basteln und abends gemeinsam „Die Drei ???“ hören. Auch das tat gut.
Neues vom Baptist College
Am Baptist College wurden im Dezember wieder die Klausuren über das vorangegangene Semester geschrieben. Da ich (Micha) insbesondere den Griechischunterricht nach den Erfahrungen und persönlichen Lehren des ersten Jahres umgestellt habe, war ich sehr gespannt darauf, wie sich meine Studierenden in den Prüfungen schlagen würden. Deshalb war ich sehr froh, als ich gesehen habe, dass alle bestanden haben, obwohl ich das Niveau deutlich nach oben geschraubt hatte. Besonders freue ich mich, bei den Studierenden Freude und Interesse für das neutestamentliche Griechisch geweckt zu haben. Sie haben vor Semesterende sogar um Erlaubnis gebeten, ihre Lehrbücher (die hier üblicherweise am College verbleiben) mit nach Hause nehmen zu dürfen, um während der Semesterferien weiter lernen zu können.
Außerdem hatte ich eine Vorlesung zur Kirchenlehre und über die letzten Dinge (Ekklesiologie und Eschatologie) gehalten. Hier hatten wir viele spannende und interessante Diskussionen, in denen auch ich viel dazulernen konnte, z.B. über den malawischen Baptismus und die Kultur. Auch hier haben alle Studierenden ihre Prüfungen bestanden (bei einer noch ausstehenden Prüfung).
Im kommenden Semester werde ich weiter Griechisch unterrichten und eine systematische Vorlesung zur Versöhnungslehre halten.
Das Baptist College befindet sich weiterhin auf dem Weg zur Akkreditierung als Universität. Ein Schritt dorthin war vor einigen Jahren die Erlaubnis des Hochschulrates, dass sich das damalige „Baptist Theological Seminary“ von nun an „Baptist College“ nennen durfte. Nun hat eben dieser Hochschulrat dem Baptist College bescheinigt, alle erforderlichen Anforderungen zu erfüllen, um sogar einen Bewerbungsschritt auf dem Weg zur Universität zu überspringen, so dass dieser nun deutlich kürzer geworden ist. Wir sind guter Hoffnung, uns hier gut weiterentwickeln zu können. Dazu sind allerdings auch teilweise erhebliche Maßnahmen, z.B. im Bereich unserer Infrastruktur, nötig. Das Ziel des Baptist College ist, nach der Ernennung zur Universität weitere, auch nichttheologische, Studiengänge einzurichten und neben dem bisherigen Bachelor- auch Master- und ggf. Promotionsstudiengänge anzubieten.

Das Verwaltungsgebäude des Baptist College (BACO)
Freizeit und Alltag…
…manches Mal anders als gewohnt
In Emmas Klasse verabreden sich regelmäßig alle Mädels, oder manchmal auch gemeinsam mit den Jungs, zu einer Wochenendaktivität. Das bedeutet dann z.B., dass sie sich in einer Mall (einem Einkaufszentrum) in einem Café verabreden und hinterher Paintball spielen gehen – eine der wenigen Sachen, die man hier so als Teenager unternehmen kann. Die Eltern fungieren als Taxifahrer von Ort zu Ort.
So etwas wie Klassenfahrten gibt es leider nicht, einen sogenannten Field Trip (Wandertag) eventuell einmal im Jahr.
Manchmal verabredet sich Emma mit einer Freundin zum Fahrrad fahren hier in unserer Area – ein kleines Stück Freiheit ohne Eltern.
Inzwischen gehört es aber auch zum häufigen Wochenendprogramm, sich mit einer deutschen Freundin zu verabreden, die 1¼ Stunden entfernt auf einem Dorf wohnt. Wir tauschen dann manchmal die Kinder aus und der jüngere Bruder verabredet sich mit unseren Jungs.
Matthis und Annemie haben wiederum immer mal wieder ihre „Playdates“ mit Freunden und sind da insgesamt noch unbedarfter.
Auch da muss natürlich erst alles organisiert werden und wir merken, dass die Initiative selten von den malawischen Eltern kommt, was es manchmal mühseliger macht, als wir es aus Deutschland kennen. Diese haben ihre Kinder in der Regel durch Nannys versorgt und kümmern sich daher eher wenig um die Freizeit ihrer Kinder. An Kindergeburtstagen, auch das haben wir schon bei uns erlebt, werden die Kinder mit ihren Nannys und Fahrern losgeschickt, die dann während der Feier z.B. im Auto oder auf dem Fußboden sitzend warten, bis die Party zu Ende ist.
Die Kluft zwischen den behüteten Kindern der Internationalen Schule und anderen Kindern auf einer normalen malawischen Schule ist groß. Hier wiederum bewältigen die Kinder ihren Schulweg von klein auf allein, bzw. mit anderen Kindern. So auch z.B. Jennifers vierjährige Tochter, die vom ersten Schultag an mit zwei unterschiedlichen Bussen zur Schule fährt und dabei selbstständig umsteigen muss. Das ging direkt am ersten Tag schief. Sie stieg in einen falschen Bus und musste Stunden später, nachdem ihr Fehlen aufgefallen war, irgendwie in dieser Großstadt wiedergefunden werden. Sie war aber am gleichen Abend wieder wohlbehalten zu Hause, Gott sei Dank! Ein weiterer großer Unterschied zu Deutschland ist die Klassengröße: in einer Klasse einer staatlichen Schule werden nicht selten 150 Schüler unterrichtet.

So sieht die Ernte von einer unserer fünf Bananenpflanzen aus. Da heißt es: viel essen und verschenken, damit nichts schlecht wird 🙂

Beladen eines Minibusses am Straßenrand. In einem solchen Bus finden bis zu 20 Personen inklusive Gepäck für eine Überlandreise Platz

Umzug auf malawisch

Papaya ist eine in der natürlichen Medizin vielseitig einsetzbare Pflanze. Wenn man z.B. die Schale einer unreifen Frucht anritzt, tritt ein weißlicher Saft aus, der, gemischt mit abgekochtem Wasser und etwas Salz, zum Auswaschen von Wunden genutzt werden kann und eine schnelle Wundheilung fördert.

Herstellung einer Salbe während des Natural Medicine Kurses auf der Balakafarm
Auch, wenn dieses Jahr gerade erst begonnen hat, fühlt es sich für uns so an, als ob die Zeit nur so verfliegt, bis wir im Juni in den Flieger in Richtung Deutschland steigen werden. Dann ist hier schon Halbzeit.
Danke, dass ihr bis hierher mit dem Lesen durchgehalten habt 🙂 Wir freuen uns über die Verbundenheit mit euch!
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er den einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
(Die Bibel, Evangelium nach Johannes 3,16.)
Gebetsanliegen
Wir freuen uns über viele ermutigende Nachrichten von Menschen und Gemeinden, die für uns beten. Folgende Anliegen bewegen uns derzeit:
Wir sind dankbar…
- dafür, dass es manchmal wieder deutlich entspannter ist, zu tanken.
- für eine gute Familienzeit in den zurückliegenden Weihnachtsferien.
- für das Treffen und den Austausch mit den Leitern und Missionaren der EBM.
Wir bitten darum, dass…
- wir eine gute Regenzeit haben, damit die Menschen, die auf den Ertrag ihrer Felder angewiesen sind, eine ausreichende Lebensgrundlage haben.
- die Regierung und alle beteiligten Akteure Wege finden, die andauernde Kraftstoffkrise zu bewältigen.
- wir unseren Heimataufenthalt im Sommer gut planen können.
- der Akkreditierungsprozess am Baptist College gut vorangeht.
- Micha in seinem Unterricht die Studierenden erreicht und seinen Lehrstoff gut vermittelt bekommt.
- unsere Kinder ihre Freundschaften vor Ort und in Deutschland gut pflegen und neue Freundschaften aufbauen können.

Rundbrief #07 – Februar 2025

