Brief an Freunde und Gemeinde

Berlin, 30.03.2020

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

am Wochenende wurde die Zeit „umgestellt“. Der Biorhythmus und manche Gewohnheiten müssen sich nun wieder anpassen und lernen, mit einer Zeit-Stunde „weniger“ auszukommen.

Darüber hinaus erleben wir gerade auch eine „Zeit-Umstellung“ ganz anderer Art, in gehörigem Maße und in aller Welt: Nichts läuft mehr „wie gewohnt“ mit dem neuartigen „Coronavirus“…

Diese Umstellung unserer Zeit und auch unserer Verhältnisse, empfinden wir sehr unterschiedlich:
Die einen sind froh und dankbar über die verhängten Schutz-Maßnahmen des Staates und erhoffen sich durch die Kontakt- und Beschäftigungsbeschränkungen mehr Gesundheit, Sicherheit und ein baldiges Abebben der gravierenden Infektionsketten.
Andere erleben diese Umstellung gewohnten Lebens als völlig überzogen und unverhältnismäßig. Das, was uns schützen soll, kann auch verunsichern. Wann werde ich meine Mutter, meinen Vater, meine Enkelkinder, meine Lieben nah und fern wohl wiedersehen dürfen? – Diese Verunsicherung trifft übrigens grad ganz besonders die Personen, die in Wohneinrichtungen und Altenheimen leben, auch aus unserer Gemeinde…
Und, das Kontaktverbot mit anderen Menschen bringt die Wirtschaft ebenfalls ins Wanken. Zunehmend mehr Menschen sind in Sorge, ob ihre Firma oder ihr Arbeitsplatz erhalten bleiben, müssen in „Kurzarbeit“ gehen, fragen sich, ob das Geld noch für die Miete, finanzielle Verpflichtungen und den gewohnten Lebensstandard reichen wird…

Martin Luther schrieb einmal vor vielen Jahren, als er krank war:
„Meine Zeit steht in deinen Händen (Psalm 31,16)
Diese Zeile habe ich jetzt in dieser Krankheit gelernt und will sie korrigieren,
denn ich bezog sie früher nur auf die Todesstunde.
Sie soll aber heißen: In deinen Händen sind meine Zeiten,
mein ganzes Leben, alle Tage, Stunden und Augenblicke.“

Wie auch immer wir diese unsere Zeit also gerade empfinden oder wahrnehmen – es ist und bleibt Zeit, die in Gottes Händen ist!
Diese Gewissheit soll und darf uns trösten, in der vor uns liegenden Woche und darüber hinaus! 

In den vergangenen Tagen und Wochen hatte ich Zeit, mit vielen von Euch per Telefon oder anderweitig Kontakt aufzunehmen. Wenn ich jemanden von Euch vielleicht noch nicht erreicht habe, der gern mal mit mir reden möchte, dann lasst mich das gern wissen, damit ich mich melden kann!  

Ansonsten ist unsere Zoar-Kirche weiterhin zweimal in der Woche offen für eine „individuelle, stille Einkehr“ mit einem Kerzengebet: mittwochs von 18 – 19 Uhr und sonntags von 10 – 11 Uhr.
Für diejenigen, die nicht selbst kommen können oder möchten, besteht weiterhin die Möglichkeit, mir kurze Gebetssätze zuzumailen oder telefonisch durchzugeben. Ich würde dann in den genannten Zeiten stellvertretend für Euch eine Kerze anzünden und beten.

Meine Zeit steht in deinen Händen

 

Uns allen wünsche ich eine gesegnete Woche!

Herzliche Grüße

Ihr und Euer Andreas Güthling